Erdhaus – Erdkeil

1991, Heilbronn, beim Götzenturm, linkes und rechtes Neckarufer

Erdkeil: Erde; ca 100 x 250 x 600 cm
Erdhaus: Erde und andere Materialien; 250 x 250 x 600 cm

Die Bedeutung des Raumes wird schon in der ersten großen Installation von BMP thematisiert. Erdhaus und Erdkeil sind durch Material, Form, Größe und Ausrichtung so aufeinander bezogen, dass der Fluss, der Raum zwischen den beiden Teilen, zum eigentlichen Inhalt wird. Auch die Rolle des Betrachters ist bereits berücksichtigt. Betritt er den Erdkeil oder das Erdhaus, gewinnt er neue Perspektiven und Raumerfahrungen.

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Erdhaus – Erdkeil: Konzeptblatt

 

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Kontext
Erdhaus-Erdkeil war der BMP-Beitrag zum Projekt „GANG UND GÄBE – Wege der Stadt“ in Heilbronn im September 1991. Es ging um die Reflexion über Stadtstrukturen im Allgemeinen und konkret um ihre Erscheinungsformen im Heilbronner Stadtbild. Die Kuratorin Mechthild Bauer-Babel im Vorwort zum Ausstellungskatalog: „Gemeint waren die Wege, wie sie alltäglich gegangen und hingenommen werden, deren Überbauung, Lage und Verlauf. Ebenso sind es die Plätze, die an ihrem Rand liegen, reserviert als Bauland, dekoriert oder abgesperrt, der Phantasie entzogen, ohne den Charme des Unfertigen und kaum noch als Provisorium erkennbar.“ BMP entscheidet sich für so einen marginalen Ort unterhalb des Götzenturms. Zwischen1867 und 1878 war hier eine Badeanstalt. 1991 ist der Ort isoliert, ja, abgesperrt, wie überhaupt der Zugang zum Neckar, zum Fluss, der – auch das thematisiert die zweiteilige BMP-Installation – wieder ein zentrales Element der Stadtentwicklung sein könnte.

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Realisierung
Wer ohne viel Erfahrung  in wenigen Tagen ein Haus aus Erde, Lehm und ungebrannten Lehmziegeln errichten will, gelangt zwangsläufig an die Grenzen seiner handwerklichen Fähigkeiten und physischen Möglichkeiten. Dass die Installation realisiert werden konnte, verdanken Bräuer, May und Peter ihren sachkundigen Freunden Vern Cabbell, Roland Frey und Thomas Lorenz.

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Folgen
Erdhaus-Erdkeil ist in vielerlei Hinsicht der Ausgangspunkt für die weitere Arbeit von BMP: Die Relevanz des Raums, die Position des Betrachters – BMP spricht nunmehr  vom „Besucher“ – werden zu zentralen Faktoren. Daneben setzt  BMP beim Rückbau der Installation erstmals jene Methode ein, die von da an zum festen Bestandteil im Repertoire der Gruppe wird – die Verwerfung: Bräuer, May und Peter werfen je drei Lehmziegelsteine des Erdhauses in den Neckar. Im Vertrauen auf die Kraft der infolge ihrer vierwöchigen Verwendung in einem Kunstwerk mit spiritueller Energie aufgeladenen Steine will BMP den trüben Blick der Anwohner kurieren und die daraus resultierende Geringschätzung des Flusses für kommende Zeiten verhindern.
Die Folgen der Anwendung: 20 Jahre später – laut BMP eine angemessene Frist bei einer Intervention im komplexen Organismus einer Großstadt – erstellt man in Heilbronn einen Rahmenplan für die Bundesgartenschau 2019. Darin taucht der Neckarbogen auf, ein neues Stadtviertel für rund 1500 Menschen zum Wohnen und Arbeiten am Wasser. Ein Uferpark entlang des Flusses soll den Neckarbogen mit der Innenstadt verbinden.
Weil Bilddokumente vom Prototyp aller Verwerfungen fehlen, hat BMP 1992 die Aktion nachgestellt, allerdings mit 9 Tonstäbchen und in stehendem Neckarwasser.

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Eine Antwort auf Erdhaus – Erdkeil

  1. Linda sagt:

    Ich finde die Projekte und Fotografien super inspirierend! Weiter So!

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